Mensch. Gesundheit. Medizin.
 
 
 
 

„Handwerker mit Herz“ nimmt sich viel Zeit

17.04.2021

„Wir hören Patienten zu und nehmen uns Zeit“: Dr. Philipp Fischer leitet seit vergangenem Juli das Medizinische Versorgungszentrum am Schwanen.

Haiti hatte 2010 gerade ein schweres Erbeben erlebt. Mehr als 300 000 Menschen hatten ihr Leben verloren, viele Familien ihr Dach über dem Kopf. Die Infrastruktur war zusammengebrochen. Aus der ganzen Welt reisten damals Helfer-Teams in die Karibik. „40 Grad, du hast Durchfall, die Lage ist unsicher, und es gibt Schießereien“, erinnert sich Dr. Philipp Fischer, „das ist anstrengend und gefährlich. Aber du kannst helfen.“ Fischer war damals für den Verein „humedica“ im Einsatz, der weltweit in Krisensituationen Unterstützung anbietet. Sein Wunsch: Er wollte wissenschaftlich basierte Medizin in den Katastropheneinsatz bringen. Sein Prinzip: hinterfragen und professionalisieren. Zu vielen Einsätzen in Katastrophengebieten ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie seitdem aufgebrochen.

„Aber irgendwann wird dir dann klar: Du kannst den Menschen genauso helfen, wenn du lokal statt global arbeitest“, sagt der 46-Jährige und blickt sich in seinem Büro im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Schwanen um. Hinzu kam wohl der Appell seiner Familie: „Du rettest die Welt, und dein Kind hat Masern. Wir brauchen dich hier.“ Damals entschied er, Katastrophengebiete erstmal zu meiden – auch damit seine fünf Kinder ihn in der Nähe haben. Also arbeitete er an der Uniklinik in Bonn, freute sich über Forschungsmöglichkeiten und wechselte später in eine Praxis.

Die Motivation sei immer die gleiche: Er will helfen. Jetzt in Wermelskirchen. Seit zehn Monaten ist der Mediziner als ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums im Einsatz. Mitten in Corona-Zeiten hat er die neue Aufgabe angetreten – in der Praxis gilt ein Hygienekonzept, die Vorstellung bei den Hausärzten musste warten, die Entwicklung der Patientenzahlen wurde ausgebremst. Angekommen ist er trotzdem.

„Im Mittelpunkt steht immer die Lebensqualität der Patienten.“

Wahrscheinlich sei er für viele Patienten erstmal nicht das, was sie erwarten, sagt er und schmunzelt. Aber die Irritation verfliegt schnell. „Ich höre zu“, sagt er, „ich bin nicht der Typ: unumstößlicher Weißkittel.“ Er ist eher der Typ, der verständnisvoll die Hand auf den Arm eines Patienten legt, ihn ansieht und fragt, wie es ihm geht. Und er macht die Erfahrung, dass die Menschen dankbar sind für die Zeit und die Aufmerksamkeit.

„Oft hilft es schon, Menschen, die lange unter chronischen Schmerzen leiden, ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören“, hat er erfahren. Gegen eine Massenabfertigung habe er sich von Anfang an gesträubt. „Natürlich haben wir auch den Wunsch, so viele Patienten wie möglich zu behandeln. Das ist ein Spagat“, sagt er, „aber wir lassen uns nicht zerreißen.“ 1500 Patienten im Quartal kommen aktuell in das MVZ. 2000 sollen es werden: Dafür sollen die Sprechzeiten ausgeweitet werden. „Wir sind ein gutes und eingespieltes Team“, sagt Fischer heute. Als er angekommen sei, hätten vor allem die Medizinischen Fachangestellten unter Personalmangel gelitten. Inzwischen wurde aufgestockt, zum ersten Mal sind zwei Auszubildende eingestellt worden. Fischer begann damals damit, einmal in der Woche einen Obstkorb für das Team liefern zu lassen. „Kleine Zeichen der Wertschätzung“, sagt er.

Und dazu gehört auch, dass er sich im Alltag nicht an den Schreibtisch zurückzieht. Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass er auch als ärztlicher Leiter nicht die Hälfte der Zeit mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt sein wolle. „Am Ende bin ich Handwerker“, sagt er und lacht laut und fröhlich. Er wolle auch mit den Patienten arbeiten.

Dafür hat er den Job damals angetreten: „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Schule“, erinnert er sich. Er ließ sich zum Rettungssanitäter ausbilden – aber der Wunsch, Medizin zu studieren, keimte. Also machte er in der Abendschule nach dem Dienst sein Abitur, studierte, mit 25 wurde er zum ersten Mal Vater, und dann entschied er sich für die Orthopädie und Unfallchirurgie. „Es war der schwierige Weg“, sagt er, „aber es war mein Weg.“ Warum er sich für das Fachgebiet entschied? Da könne man oft sofort helfen, sagt er. Heute setzt er auf konservative Möglichkeiten – wie Physiotherapie, Akupunktur, Spritzen oder Medikamente. „Wir suchen gemeinsam mit den Patienten Lösungen“, erklärt er, „im Mittelpunkt steht immer die Lebensqualität der Patienten.“ Das gilt für alte Menschen genauso wie für die arbeitende Bevölkerung oder Kinder und Jugendliche, die mit Problemen im musculoskeletal System kämpfen. Er sei auch im Profisport im Einsatz, berichtet Fischer und erzählt vom American-Football-Team seines erwachsenen Sohnes.

Der große Vorteil des MVZ: „Hier gibt es alles aus einer Hand.“ Inzwischen können die Mediziner am Schwanen Knochendichtemessungen vornehmen. Damit entfallen lange Wege in andere Städte. „Wir wollen Osteporose-Zentrum werden“, sagt der Arzt. Kleine chirurgische Eingriffe nehmen die Fachärzte selber vor, zum Leistungsspektrum gehört auch die Proktologie.

Das MVZ bemüht sich um eine Ergänzung um die Gynäkologie. Und wenn die Patienten konservativ austherapiert sind und sich eine Operation etwa zum Knie- oder Hüftersatz wünschen, dann greift der Arzt zum Telefon. Dank des kurzen Drahts ins Krankenhaus, bekommen Patienten schnell einen OP-Termin. „Danach kommen die Menschen zu uns zurück“, sagt Fischer. Und darauf freut er sich.

Hintergrund
Praxis: Das MVZ als Tochter des Krankenhauses übernahm 2018 die Praxis. Die Kassenärztliche Vereinigung genehmigte die vertragsärztliche Versorgung. Bandbreite: Das Spektrum reicht von Orthopädie und Unfallchirurgie über Allgemeinchirurgie bis zur Proktologie. Die Erweiterung um eine gynäkologische Praxis ist geplant.

Quelle: Remscheider General-Anzeiger (17.04.2021) 

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