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Chef schaut nach Schließung der Geburtshilfe nach vorn

29.04.2016

Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Madsen über freie Kapazitäten, neue Ziele und den Wachstumskurs.

WGA: Herr Madsen. Sie bleiben dabei: Das Krankenhaus ist auf Wachstumskurs. Nach der Schließung der Geburtsstation gab es aber viel Sorge darum, dass es nicht gut um das Haus steht. Wie können Sie der Sorge entgegenwirken?

Christian Madsen: Mit Fakten. Wir hatten beispielsweise im Jahr 2007 noch 7886 stationär behandelte Patienten pro Jahr; demgegenüber stehen 9744 im vergangenen Jahr 2015. Gewinnen konnten wir vor allem durch die Ausweitung des Leistungsangebotes der Internistischen Abteilung und der Chirurgie, die wir 2010 neu strukturiert haben – mit der Allgemeinen und Viszeralchirurgie unter Leitung von Dr. Arif Yaksan und der Orthopädie und Unfallchirurgie unter Leitung von Dr. Hans Goost. Mit der Spezialisierung haben wir auch die Manpower verstärkt; die Ärzteteams haben sich vergrößert. Im ambulanten Bereich versorgen wir derzeit 37 561 Patienten. Auch da verzeichnen wir Wachstum.

WGA: Das heißt, Sie stellen nach wie vor auch Mitarbeiter ein?

Christian Madsen: Wir haben die Mitarbeiterzahl im Vergleich zu 2007 um 97 erhöht. Aktuell haben wir 428 Mitarbeiter. Damit haben wir die Abteilungen weiter gestärkt und konnten dem entsprechend das Leistungsniveau noch erhöhen.

WGA: Durch den Wegfall der Geburtshilfe müssen sich die werdenden Mütter für andere Kliniken entscheiden. Glauben Sie, dass auch in anderen Bereichen Patienten abwandern.

Christian Madsen: Nein, das denke ich nicht. Wir haben das Glück, dass sich übrigens auch viele Patienten aus den Nachbarstädten, aus Remscheid, Burscheid oder Leichlingen, für uns entscheiden, weil sie die Behandlung und Pflege sowie die gute Atmosphäre in unserem Haus schätzen. Zudem arbeiten wir hervorragend mit den niedergelassenen Medizinern zusammen, die den Patienten ja letztlich Krankenhäuser zur Weiterbehandlung empfehlen.

WGA: Wie ist die Stimmung im Haus zurzeit?

Christian Madsen: Es ist ruhig, weil vielen Mitarbeitern bewusst war, dass die Geburtshilfe seit Jahren ein Problem darstellte. Man darf sich nicht scheuen, zum Gesamtwohl der Organisation auch mal eine unpopuläre Entscheidung zu treffen. Die Kinderkrankenschwestern und Hebammen, die geblieben sind, arbeiten in ihren neuen Abteilungen. Es muss weitergehen; wenn auch ein Ereignis wie der Wegfall der Geburtshilfe sicher erstmal für alle ein Einschnitt ist. Letztlich zählen aber die Fakten. Und die sprachen nun mal dagegen, die Abteilung auf Kosten der Gesamtorganisation weiter zu tragen. Diese Entscheidung haben auch der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung einstimmig unterstützt. Lassen Sie mich bitte noch einmal betonen: Keinem von uns ist diese Entscheidung leichtgefallen.

WGA: Wie werden die frei gewordenen räumlichen Kapazitäten im Haus jetzt weiter genutzt?

Christian Madsen: Im Einzelnen kann man das gar nicht sagen. Wir planen aber langfristig, den geriatrischen Bereich, also die Altersmedizin, weiter auszubauen. Ein entsprechendes Konzept ist in der Umsetzungsphase. Neben der seit gut einem Jahr bestehenden Kooperation mit der Fabricius-Klinik in Remscheid ist es unser Ziel, Senioren während der akuten Behandlung bereits geriatrisch zu betreuen.

WGA: Sie reagieren damit auf einen Mehrbedarf an geriatrischen Angeboten?

Christian Madsen: Ja. Der geriatrische Bereich gehört bei uns ganz klar zu den Wachstumsbereichen. Das ist Fakt. An der demographischen Entwicklung lässt sich nichts rütteln. Dem müssen wir Rechnung tragen.

WGA: Das Sana-Klinikum in Remscheid beispielsweise klagt immer wieder darüber, dass junge Assistenzärzte fehlen, die das Bergische Land als Ausbildungsstätte wählen. Wie sieht es in Wermelskirchen aus?

Christian Madsen: Wir können uns nicht beklagen. Im Gegenteil konnten wir in den ärztlichen Dienst investieren und bieten fundierte Facharztausbildun gen an. Das wissen junge Ärzte, neben dem guten Betriebsklima in unserem Haus, zuschätzen. Viele entscheiden sich für eine Ausbildung in unserem Haus.

WGA: Wie steht es mit der recht neu eingerichteten Notfallambulanz? Auch da gibt es in einigen anderen Häusern ja Probleme.

Christian Madsen: Eine Notfallambulanz ist für Kliniken eigentlich immer ein Zusatzgeschäft – überall. Das ist ein Grundsatzproblem in der Krankenhauslandschaft. Die Vergütung für die erbrachten Leistungen reicht meist nicht aus. Wir sind dennoch froh, unseren Patienten diesen Service bieten zu können.

Quelle: Wermelskirchener General-Anzeiger (29.04.2016)

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