17.04.2026
Dr. Dietmar Stephan war am Donnerstag bei der Seniorenunion zu Gast und beantwortete auch einige Fragen der rund 50 Besucher.
75, eher 80 Prozent. Das ist die Überlebens-Chance, die Dr. Dietmar Stephan, derzeitiger Geschäftsführer, dem Krankenhaus an der Königstraße „aus meiner persönlichen Sicht“, wie er sagt, gibt. Das erklärte der Mediziner und Ökonom auf einer Veranstaltung der Wermelskirchener Seniorenunion am Donnerstagnachmittag in den Bürgerhäusern an der Eich vor rund 50 Besuchern.
Zwei Möglichkeiten gebe es, die derzeit im Insolvenzverfahren befindliche Klinik dauerhaft weiterzuführen: entweder in Fusion mit einem anderen Klinikbetreiber oder wie bisher unter Trägerschaft der Stadt Wermelskirchen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis.
Fusionen sind noch nicht vom Tisch
Wie berichtet, hatte es im Frühjahr und Sommer 2025 Gespräche über eine mögliche Fusion mit dem Klinikum Leverkusen gegeben. Die wurden zwar danach erst einmal auf Eis gelegt. Das heiße aber nicht, so Stephan auf Nachfrage, „dass sie nicht wieder aufgenommen werden könnten“.
Um den Weiterbetrieb in Zukunft mit einer „schwarzen Null“ zu schaffen, gebe es indes Bedingungen. „Allem voran muss die Politik es wollen, das Krankenhaus weiterzuführen. Die Politiker müssen sich ganz bewusst dafür entscheiden, Lösungen für das Haus mitzutragen“, so Stephan. Für mögliche Lösungen, das Unternehmen finanziell besser aufzustellen, nannte er einige Beispiele, die allerdings alle noch nicht beschlossen und zum Teil auch noch nicht breit besprochen seien.
Beispiele für wirtschaftlich attraktive Lösungen
Beispiel Radiologie: „Zurzeit nutzen unsere Geräte ausschließlich die stationär aufgenommenen und Privatpatienten, weil wir für die Radiologie noch keine Kassenzulassung haben. Gerade voriges Jahr haben wir beispielsweise einen neuen Computertomographen angeschafft, der nicht nur ein paar Mal am Tag, sondern über Stunden laufen könnte, wenn auch Patienten von außerhalb zu uns kämen“, berichtete Dietmar Stephan. Zurzeit würden Gespräche dazu mit der Kassenärztlichen Vereinigung laufen.
Denkbar wären vor allem aber auch so genannte „Hybrid-DRGs“. Dabei handelt es sich um eine neue Form der Abrechnung im deutschen Gesundheitswesen, die zum 1. Januar 2024 eingeführt wurde. Sie soll als Brücke zwischen der ambulanten und stationären Vergütung dienen und die Ambulantisierung in Kliniken fördern. Das heißt, dass bestimmte Eingriffe vom oder im Krankenhaus auch ambulant durchgeführt werden können. Vermieden werden dadurch lange Liegezeiten.
Hybrid-DRGs vereinen Vor- und Nachsorge in einer einzigen, einheitlichen Vergütung, unabhängig davon, ob der Patient stationär oder ambulant behandelt wird, was auch abrechnungstechnisch für Kliniken von Vorteil sein könnte.
„Denkbar wäre zum Beispiel, mit einer kardiologischen Praxis zu kooperieren, von der aus jemand Herzkatheteruntersuchungen in unserem Krankenhaus durchführt, die es bisher noch nicht dort gibt“, nannte Stephan eine mögliche Umsetzung. „Konkrete Gespräche dazu gibt es noch nicht, aber es wäre auf jeden Fall eine von vielen Optionen.“
Mitarbeitende stehen wohl hinter dem Unternehmen
Ein großer Vorteil, den er für das Krankenhaus sehe: „Das Team, ob Ärzte oder Pflegepersonal, steht geschlossen hinter dem Unternehmen. Neulich wollte ein Wettbewerber tatsächlich bei uns Pflegekräfte abwerben. Dazu wurden auf unserem Parkplatz Flyer verteilt. Und es hat zwei Infoveranstaltungen in der Stadt gegeben. Ich habe mal zwei ‚Spioninnen‘ von uns hingeschickt", erzählte Stephan mit einem Augenzwinkern. „Sie sollten tatsächlich die Einzigen bleiben, die dort waren. Das zeigt für mich, wie viel Rückhalt wir im Team haben.“
Aktionen wie eine Petition für das Krankenhaus, die der Verein Zukunft Wermelskirchen gerade aktiv durchführt, hält der Geschäftsführer für „ehrenwert, aber nicht unbedingt zielführend. Die Wermelskirchener müssen hingehen ins Krankenhaus, wenn sie es nötig haben. Und die Politik muss sich aktiv für uns entscheiden. Das würde uns helfen.“
Ich gehe davon aus, dass wir die Insolvenz noch in diesem Jahr abgewickelt haben werden.
Dr. Dietmar Stephan kennt den Betrieb an der Königstraße seit zwei Jahren. Seinerzeit hatten wie berichtet die Träger des Hauses, der Rheinisch-Bergische Kreis und die Stadt Wermelskirchen, die Beraterfirma hinzugezogen, für die der Viszeralchirurg arbeitet. Die Preissteigerungen bei den Personal- und Sachkosten hätten in vielen deutschen Krankenhäusern zu einer schlechten wirtschaftlichen Lage geführt, hieß es wie damals berichtet.
Mit dem Weggang des damaligen Geschäftsführers Christian Madsen übernahm Stephan dann vor einem Jahr dessen Amt. Und, so sagte er auf Nachfrage eines Zuhörers, er könne sich auch vorstellen, das Krankenhaus noch länger zu begleiten. „Ich gehe davon aus, dass wir die Insolvenz noch in diesem Jahr abgewickelt haben. Wenn es meine Gesundheit erlaubt, würde ich dann gern noch eine Weile mitmachen.“
Quelle: Remscheider General Anzeiger (17.04.2026)
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