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Wermelskirchener Grüne Damen sind ausgezeichnet – aber wie sieht deren Alltag aus?

24.10.2026

Es ist 9 Uhr morgens im Krankenhaus an der Königstraße. Annette Hager öffnet vorsichtig die erste Zimmertür. „Guten Morgen, darf ich kurz hereinkommen?“ Seit mehr als einem Jahr leitet die 65-Jährige die Wermelskirchener Grünen Damen. Mit ihrer zehnköpfigen Ehrenamtlerinnen-Gruppe besucht sie Patientinnen und Patienten, die reden möchten - oder einfach jemanden brauchen, der kurz bleibt.

Für ihr großes Engagement belegte die Wermelskirchener Gruppe der Grünen Damen vorige Woche den zweiten Platz beim Brigitte-Schröder-Preis. Der Preis ist eine nationale Auszeichnung für ehrenamtliche Besuchsdienste im Gesundheits- und Pflegewesen.

Er wird von der Brigitte Schröder-Stiftung gemeinsam mit der Familie Schröder in unregelmäßigen Abständen verliehen. Der Preis ist insgesamt mit 6.000 Euro dotiert; die Wermelskirchener bekamen 2000 Euro. Materialien wie Bücher oder Spiele sollen unter anderem für das Geld angeschafft werden.

Viel bewegt in der letzten Zeit

Seit über einem Jahr leitet die 65-Jährige die Wermelskirchener Gruppe der Grünen Damen - und hat seitdem mit ihrer Gruppe von derzeit zehn Ehrenamtlerinnen einiges Neue auf die Beine gestellt. „Wir haben zum Beispiel keine festen Dienste mehr“, berichtet Hager. „Jede von uns teilt sich das so ein, wie sie möchte, trägt aber dann nach dem Dienst ein, auf welcher Station sie war. Wir möchten ja möglichst überall einmal vorbeischauen.“

Annette Hager sorgt auch dafür, dass die Damen an Fortbildungen teilnehmen. „Wenn jemand bei uns anfängt, sollte er oder sie mindestens einmal eine Fortbildung besucht haben. Wie geht man auf die Menschen ein, die da im Krankenzimmer vor einem sitzen oder liegen? Wie sollte die Gesprächsführung im Idealfall laufen? Und wie geht man mit an Demenz erkrankten Patienten um?

„Auf die Auszeichnung jetzt sind wir natürlich stolz“, sagt Annette Hager. „Die größte Anerkennung bekommen wir aber auf den Stationen, wenn die Patienten uns signalisieren, wie dankbar sie für unseren Einsatz sind.“

Patienten kommen ins Plaudern

Wie die über 80-jährige Wermelskirchenerin, die auf ihrem Bett liegt. Sie freut sich, denn bald darf sie nach Hause. Nach einem Sturz hatte sie einige Verletzungen davon getragen und musste das Laufen mit einem Physiotherapeuten erst wieder erlernen. „Viele Wochen bin ich jetzt schon hier“, erzählt sie. Und kommt - wieder einmal - mit Annette Hager ins Plaudern. Wie so oft in den vergangenen Wochen.

Ein junger Mann grüßt freundlich, braucht aber offensichtlich keine Ansprache. „Mir geht‘s gut, danke.“ Auch das kommt vor. Hager: „Klar ist nicht jeder bereit, mit uns zu reden. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele gerne möchten. Gerade auch die, die einsam sind. Oder die, die vielleicht gerade eine schlechte Nachricht bekommen haben.“

Deshalb schaut Annette Hager auch kurz in der Kapelle der Station 2 vorbei. „Hier sitzt auch schon mal jemand. Weil er vielleicht verzweifelt ist. Oder aber dankbar.“

Der ältere Herr im nächsten Zimmer sitzt mit gesenktem Kopf in seinem Bett. Erst möchte er nicht so richtig reden. Annette Hager hat aber Geduld. Sie setzt sich zu ihm, fragt ihn, wie es ihm geht. Und man merkt, dass er nicht abgeneigt ist, sich zu unterhalten. Es fällt ihm nur schwer, die richtigen Worte zu finden. Und offenbar auch, sich zu erinnern. Er sei gestürzt, erfährt die Grüne Dame dann doch. In seinem Zimmer, im Seniorenheim, vor einigen Tagen. „Die Ärzte konnten aber zum Glück nichts Schlimmes finden. Und heute werde ich wieder abgeholt.“ Als der Mann vom Sohn und der Schwiegertochter erzählt, sprudeln die Worte doch aus seinem Mund. Und sein Blick erhellt sich. Später auf dem Flur muss auch Annette Hager lächeln. „Er ist langsam aufgetaut“, sagt sie. Viele Zimmer sind leer an diesem Freitagmorgen. „Sind sicher alle fürs Wochenende entlassen“, vermutet Annette Hager.

Am Ende bleibt Zufriedenheit

Wie schnell sich alles ändern kann, hat der Patient, der gerade auf seinem Bett Sudokus löst, vor kurzem schmerzlich erfahren. „Ich bin leider im Urlaub schwer erkrankt“, erzählt er. Die Ferien verbrachte er fast komplett in der Klinik und wurde dann mit einem Krankentransport in die Heimat gebracht. Der Mann wirkt fit und aufgeräumt, während er erzählt, merkt man als Zuhörer aber doch, wie sehr ihn die Sache noch beschäftigt. „Ich gehe vielleicht später nochmal hin“, sagt Annette Hager.

Am Ende des Rundgangs notiert die Grüne Dame, auf welcher Station sie heute war. Und lässt den Vormittag noch einmal Revue passieren. „Meist“, sagt sie lächelnd, „gehe ich sehr zufrieden von meinem Dienst nach Hause.“

Quelle: Remscheider General Anzeiger (24.10.2026)

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