17.10.2026
Zu einer Info-Veranstaltung der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie kamen viele Wermelskirchener, aber auch potenzielle Patienten aus anderen Städten an die Königstraße. Viele sind froh, dass endoprothetische Eingriffe hier jetzt wieder möglich sind.
Heidemarie Siebel ist sich da ganz sicher: „Wenn Operationen, dann möglichst nur hier im Krankenhaus“, sagt sie bestimmt. Wie rund 50 andere sind die Wermelskirchenerin und ihr Mann an diesem Donnerstagabend in die Klinik an der Königstraße gekommen, um mehr zum Thema Hüft-Operationen zu erfahren. „Meinem Mann steht das eventuell bevor“, erzählt Heidemarie Siebel. Und ergänzt: „Wir haben großes Vertrauen in die Klinik hier. Ich habe mir voriges Jahr hier die Gallenblase entfernen lassen und war rundum zufrieden. Sowohl medizinisch als auch pflegerisch.“
Diesmal ging es nun aber um die Hüfte. Dass diese Veranstaltung eine besondere Bedeutung hatte, lag auch an einer juristischen Entscheidung: Nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts darf die Orthopädie und Unfallchirurgie unter Leitung von Dr. Jens Rudzewski künftig wieder das volle Spektrum endoprothetischer Eingriffe anbieten — darunter auch künstliche Hüftgelenke.
Am besten gut vorbereiten
Und wie umfangreich dieses Thema ist, das erfahren die rund 50 Gäste an diesem Abend hinreichend. Wie bereite ich mich optimal vor, wenn ich bald eine neue Hüfte implantiert bekomme? Mit welchem Verfahren arbeiten die Ärzte? Was sind mögliche Komplikationen und wie können Mediziner und Patienten diese Komplikationen möglichst vermeiden? Diese und andere Fragen können Patrick Lahmer, Christopher Malliouris, Dr. Nina Hundt und Dr. Jens Rudzewski wohl beantworten.
Das Interesse ist sichtbar groß. Und die Anwesenden haben viele Fragen im Gepäck. Denn, das betont die stellvertretende Leiterin des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an der Eich, Dr. Nina Hundt: „Die Operation ist ein größerer Eingriff, den man als Patient nicht mal eben so macht.“ Das A und O sei deshalb eine gute Vorbereitung. Möglichst vorher schon Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck gut im Griff haben, die Ernährung möglichst auf „gesund“ umstellen und Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen minimieren. All das könne man schon Wochen vorher erledigen, so Hundt.
Christopher Malliouris, Oberarzt und Leiter des MVZ, berichtet indes, wie eine solche Operation abläuft. Und auch zu seinem Vortrag gibt es viele Patientenfragen. Heinz Köhler möchte beispielsweise wissen, wieso ein Operationsverfahren, nicht mehr angewendet würde, was bei seiner Frau doch prima funktioniert hätte. „Weil es sich nicht bewährt hat und am Ende sogar zu risikoreich war“, so Dr. Jens Rudzewski.
Für Komplikationen gut gerüstet
Über den Weg des Operateurs in die Hüfte informiert Oberarzt Patrick Lahmers. Und über die Komplikationen spricht schließlich Chef Dr. Jens Rudzewski. Er kann die meisten Menschen im Auditorium, von denen viele den Eingriff noch vor sich haben, beruhigen: „Gravierende Komplikationen treten bei uns in weniger als drei Prozent der Fälle auf. Selbst dann, wenn der Patient oder die Patientin ein erhebliches Risikopotenzial mitbringen.“
Dazu gehören beispielsweise schweres Übergewicht oder Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes. „Aufgrund unserer guten Vernetzung im Haus mit entsprechenden Fachabteilungen, sind die Wege kurz“, so Rudzewski. Und: Da die Patienten bei einem endoprothetischen Eingriff an der Hüfte in der Vielzahl im gesetzteren Alter von über 70 Jahre sind, schaltet sich oftmals die geriatrische Abteilung ein. Rudzewski: „Dort findet auch die Rehabilitation für die älteren Patienten statt.“
Aufgrund der vielen Fragen der potenziellen Patienten endet die Veranstaltung später als angesetzt. Und auch nach Ende der offiziellen Zeit mögen die meisten gar nicht gehen. Zu viel Informationsbedarf haben sie noch, stellen individuelle Fragen. „Das ist ja unser Ziel“, betont der Chefarzt. „Wir möchten ja Vertrauen schaffen und zeigen: Wir sind wieder da. Und das mit ganz viel Expertise.“
Verwirrtheitszustände können vermieden werden
An diesem Abend ein wenig Sicherheit vermitteln zu können, darüber freut sich auch Inga Axtner. Als Leiterin der Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin hat sie gute Nachrichten, vor allem für ältere Patienten, im Gepäck. „Wir haben in unserem Haus ganz neu Methoden eingeführt, mit denen wir bei Senioren möglichst ein Delir vermeiden können.“ Dabei handelt es sich um einen akuten, vorübergehenden Verwirrtheitszustand des Gehirns, der häufig in den ersten Tagen nach einer Operation oder Narkose auftritt. Axtner: „So dürfen die Patienten beispielsweise bei uns noch bis zur Abholung in den OP Flüssigkeit zu sich nehmen. Auch Brille und Gebiss bleiben bis in den OP bei ihnen und werden gleich nach dem Aufwachen wieder ein- und aufgesetzt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie somit viel orientierter und besser beieinander sind.“
Anita Ley ist spätestens auf dem Weg zum Parkplatz überzeugt: „Hier lasse ich mir auch meine zweite Hüfte operieren. Wie gut, dass das in Wermelskirchen jetzt wieder möglich ist.“
Quelle: Remscheider General Anzeiger (17.10.2026)
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