30.05.2026
Das Wochenende mit Rekord-Temperaturen forderte Krankenhaus und Rettungsdienst stark heraus. 76 Einsätze mit dem Rettungswagen verzeichnet die Feuerwehr. Als Kliniken aus der Umgebung keine Patienten mehr aufnehmen konnten, übernahm das Team der Wermelskirchener Notfallambulanz.
Arne Scholz räumt ein, dass er mit einem so großen Ansturm in der Notfallambulanz am Wochenende nicht gerechnet hätte. Der Mediziner, der dem neuen Leitungsteam der Inneren Medizin am Krankenhaus angehört, spricht auf Nachfrage von „erheblich mehr Betrieb in der Notaufnahme, als wir das sonst gewohnt sind.“ Grund waren die extrem hohen Temperaturen, die vor allem älteren Menschen starke Probleme bereiteten.
Und: „Weil Kliniken in der Umgebung keine Patienten mehr aufnehmen konnten, sind wir eingesprungen. Eine Situation, die wieder einmal gezeigt hat, wie wichtig das Krankenhaus mit Notfallambulanz vor Ort ist“, betont Scholz.
Diese Beschwerden hatten die Patienten
Das bestätigt Christoph Steffens vom Rettungsdienst der Feuerwehr, der ebenfalls am Hitze-Wochenende im Einsatz war. „Könnten wir das Wermelskirchener Krankenhaus in Notfällen nicht mehr anfahren, müssten wir erheblich längere Strecken zurücklegen. Und das würde ja wiederum bedeuten, dass der Einsatzwagen längere Zeit nicht verfügbar wäre.“
76-mal rückte der Rettungsdienst der Feuerwehr am Wochenende im Wermelskirchener Stadtgebiet aus. „Das ist ungewöhnlich oft“, erklärt Steffens. „Ich kann natürlich nicht mehr genau sagen, wie viele Einsätze davon hitzebedingt waren, aber sicher ein großer Teil.“
Dehydrierung, erhöhte Körpertemperatur, Kreislaufprobleme: Das Beschwerdebild aller Patienten, die in der Notaufnahme an der Königstraße ankamen, war ähnlich. „Meist waren es ältere Menschen, die zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen oder sich zu lange in der Sonne oder in überhitzten Räumen aufgehalten hatten“, resümiert Arne Scholz.
Erfrischende Infusionen und Kühl-Packs
Auch für das Team aus Ärzten und Pflegekräften sei der außergewöhnliche Einsatz bei der Hitze belastend gewesen: „Denn auch bei uns gibt es ja leider in den meisten Bereichen noch keine Klimaanlage.“ Aber, so der Mediziner, die intensiven Tage hätten einmal mehr gezeigt, wie gut der Zusammenhalt im Team am Wermelskirchener Krankenhaus ist. „Unsere Pflegedienstleitung wollte eigentlich nur eine Erfrischung vorbeibringen, blieb aber dann direkt zum Arbeiten da, als sie sah, was los war“, nennt er ein Beispiel. Damit aber nicht genug: Anästhesieschwestern seien bei den Internisten eingesprungen, alle hätten gemeinsam kreative Lösungen gegen die Hitze entwickelt: kühlende Infusionen mit Flüssigkeit, Kühl-Packs gegen die Überhitzung und vieles mehr.
Es sei ein anstrengendes Wochenende gewesen, aber an die Belastungsgrenze seien Ärzte und Pflegende nicht gekommen. „Wir arbeiten Hand in Hand. Das erleichtert uns das Prozedere auch in solchen Situationen, die vielleicht gar nicht so vorhersehbar sind.“
Die gute Nachricht zum Montag: Die meisten der eingelieferten Patientinnen und Patienten seien wieder wohl auf, könnten heute das Krankenhaus wieder verlassen oder seien am Wochenende nur ambulant versorgt worden in der Ambulanz des Krankenhauses.
Und die schlechte: Die nächste Hitzewelle rollt möglicherweise schon an. Meteorologen sehen in verschiedenen Wettermodellen in der kommenden Woche wieder Temperaturen von über 30 Grad auch auf das Bergische Land zukommen. „Es ist wichtig, dass sich vor allem Senioren bewusst machen, welche Gefahren bei Hitze lauern“, mahnt Christoph Steffens vom Rettungsdienst. „Auch wenn es schwer fällt, ist es an solchen Tagen vielleicht einmal besser, das Haus zu hüten. Dass viel Flüssigkeit wichtig ist, wird immer wieder betont, aber leider auch mindestens so oft vergessen.“ Routinen, die sonst wichtig wären, könne man auch mal über Bord werfen, wenn es um die Gesundheit gehe.
Das wünscht sich der Mediziner
Arne Scholz würde sich mit Blick auf ähnlich herausfordernde Hitzeperioden wünschen, „dass auch die Bundesregierung besser hinschaut und vulnerable Bereiche wie eben auch in der Gesundheitsversorgung besser ausstattet gegen die Hitze. Etwa mit Klimaanlagen. Viele Gebäude, so wie unseres auch, sind älteren Jahrgangs und unter ganz anderen Bedingungen gebaut worden.“
Und: „Es wäre auch wünschenswert, wenn das Fazit aus solchen Einsätzen sein würde, dass die Bedeutung kleinerer Krankenhäuser nochmal deutlicher wird. Denn wir haben letztlich seit Samstag die Patienten versorgt, die umliegende Kliniken nicht mehr versorgen konnten.“
Quelle: Remscheider General Anzeiger (30.06.2026)
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